Die verborgenen Verbindungen zwischen Shiatsu, Zen und den japanischen Kampfkünsten. Ein Beitrag, der aus persönlicher Erfahrung, langjähriger Praxis und einem Gespräch zwischen Lehrer und Schüler entstanden ist. Von Claas Michelsen

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Shiatsu, Zen und Budō – auf den ersten Blick scheinen diese drei Disziplinen sehr unterschiedlich zu sein: das eine ist eine Heilmethode, das andere ein meditativer Weg und das dritte eine Kampfkunst. Doch wenn man tiefer in diese Praktiken eintaucht, wird schnell klar, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben. Ihre Ursprünge liegen in der japanischen Kultur und alle drei basieren auf der Idee von gegenseitigem Respekt, Achtsamkeit und der Einheit von Körper und Geist.
Zen und die Prinzipien von Budō und Shiatsu
Die Absichtslosigkeit des Geistes ist ein zentraler Aspekt, der sowohl im Zen-Buddhismus als auch in den japanischen Kampfkünsten und im Shiatsu zu finden ist. Es ist ein Zustand, in dem man handelt, ohne ein bestimmtes Ergebnis zu erwarten. Diese Absichtslosigkeit finden wir auch in der Atmung und in der Bewegung von Budō und Shiatsu. Im Budō lernt man, mit dem Fluss der Bewegung zu verschmelzen, wobei Intuition und Handlung im gleichen Moment hervortreten. Ähnlich ist es im Shiatsu. Hier unterstützt der Therapeut durch fließende Bewegungen aus der Körpermitte (Hara) die natürlichen Vorgänge des Körpers, ohne ein Ergebnis zu erzwingen. Der Atem stellt, sowohl in der Meditation als auch im Budō und Shiatsu, eine Verbindung zwischen Körper und Geist her und fördert ein Gefühl der Einheit. Durch eine korrekte Atmung können wir Kraft und Energie der Körpermitte vollständig entwickeln.
Die Verbindung von Budō und Shiatsu
In den japanischen Kampfkünsten sind die Prinzipien der Körperarbeit und die Arbeit mit der Lebensenergie (Ki) mit Techniken verbunden, die dem Shiatsu ähnlich sind. Traditionell werden in den Kampfkünsten auch Massage und Akupressur angewendet, um die Muskulatur zu entspannen und die Vitalität zu steigern. Es werden spezifische Punkte zur Wiederbelebung, zur Förderung geistiger Klarheit oder zur Stärkung der Nieren eingesetzt sowie Techniken der Selbstmassage empfohlen. Diese Anwendungen sind eine wichtige Ergänzung zur physischen Disziplin und helfen, den Körper nach intensiven Trainingsphasen wieder ins Gleichgewicht zu bringen – ähnlich wie Shiatsu, das darauf abzielt, Körper und Geist zu harmonisieren.
Eine persönliche Geschichte: Ohashi und Taisen Deshimaru-Rōshi
Vor kurzem habe ich Ohashi das Buch Zen in den Kampfkünsten Japans von Taisen Deshimaru-Rōshi geschenkt. Es ist eines meiner Lieblingsbücher und beschreibt auf wunderbare Weise, wie Zen und japanische Kampfkunst zusammenhängen. Ohashi teilte daraufhin eine besondere Erinnerung mit mir, die die Verbindungen zwischen Zen, Shiatsu und Budō eindrucksvoll verdeutlicht. Er erzählte mir von einem Gespräch, das er 1978 in Paris mit Taisen Deshimaru-Rōshi, einem angesehenen Zen-Meister, führte. Deshimaru-Rōshi berichtete humorvoll, wie er in den 1960er Jahren nach Frankreich kam, um Zen zu unterrichten. Aber niemand wollte ihm zuhören. Also beschloss er, sich als Shiatsu-Meister auszugeben, obwohl er nie eine Shiatsu-Ausbildung absolviert hatte. "Ich behandelte zunächst die Körper der Teilnehmer. Als sie anfingen, sich zu entspannen, begann ich, ihnen Zen beizubringen", sagte Deshimaru-Rōshi und fügte hinzu, dass eine seiner Shiatsu-Empfängerinnen niemand anderes war als Brigitte Bardot. “Ich bin ein selbsternannter Shiatsu-Therapeut!”
Darauf antwortete Ohashi schmunzelnd: „Ich bin ein selbsternannter Shiatsu-Therapeut in New York!“ – und gemeinsam lachten sie darüber. Was Deshimaru-Rōshi jedoch mit seinen erfundenen Shiatsu-Künsten bewirkte, war erstaunlich: Er unterrichtete 300.000 Zen-Schüler und brachte Zen auf diese Weise in den Westen.
Ohashi berichtete mir außerdem, dass er bereits in seiner Kindheit mit Kendō, dem japanischen Schwertkampf, begonnen hatte. Diese Erfahrung hat ihn nachhaltig geprägt und ihm die Werte des Kampfgeistes, des Respekts vor dem Gegner, der Höflichkeit und der Aufrichtigkeit vermittelt. Prinzipien, die auch in der Shiatsu-Praxis von Bedeutung sind.
Die Essenz von Zen, Shiatsu und Budō
Diese Anekdote verdeutlicht, wie umfassend und vielfältig die Prinzipien von Zen und Budō in der Shiatsu-Praxis verankert sind. Der Humor von Ohashi und Deshimaru-Rōshi spiegelt wider, wie das, was auf den ersten Blick unvollkommen erscheint, überraschende Ergebnisse hervorbringen kann, wenn es mit Herz und Hingabe praktiziert wird. Es gibt letztendlich nur eine Möglichkeit, Zen, Shiatsu und Budō zu durchdringen: durch praktisches Üben. Im Hier und Jetzt ist alles enthalten.